Praxiswandel in Sicht: Blutverdünnung nach Vorhofflimmer-Ablation neu bewertet

Nach erfolgreicher Ablation von Vorhofflimmern (AF) war bisher unklar, ob die Patienten weiterhin eine Blutverdünnung (orale Antikoagulation, OAC) benötigen. Expertinnen und Experten rieten bislang, je nach CHA₂DS₂-VASc-Score, die Blutverdünnung fortzusetzen – auch wenn keine Vorhofflimmern mehr auftrat.
Zwei aktuelle Studien werfen diese Praxis nun in Frage:
- Die ALONE AF-Studie untersuchte 840 Patienten, die mindestens ein Jahr nach Ablation kein Vorhofflimmern mehr hatten. Die Hälfte stellte die Blutverdünnung ein, die andere Hälfte nahm sie weiter ein. Nach zwei Jahren lag die Rate schwerer Ereignisse (Schlaganfall oder schwere Blutung) bei nur 0,3 % in der Absetz-Gruppe gegenüber 2,2 % in der Gruppe mit fortgesetzter Therapie. Die höhere Zahl in der fortgesetzten Gruppe wurde vor allem durch schwere Blutungen verursacht.
- Die OCEAN-Studie verglich bei 1.284 Patienten ohne Vorhofflimmern nach Ablation eine niedrig dosierte Blutverdünnung (Rivaroxaban 15 mg) mit Aspirin. Die Schlaganfallrate und ähnliche Ereignisse waren in beiden Gruppen sehr gering und vergleichbar.
Beide Studien sind zwar klein, zeigen aber gemeinsam: Nach erfolgreicher Vorhofflimmer-Ablation ist das Schlaganfallrisiko sehr niedrig. Dies könnte bedeuten, dass viele Patientinnen und Patienten zukünftig sicher auf die Blutverdünnung verzichten können.
Eine individuelle Abklärung und Beratung durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte bleibt jedoch unverzichtbar.
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